News - Archiv

16.08.2015 - LA-Senioren-WM Lyon/Frankreich

 

Oliver Sebrantke wird bei der Senioren-WM in Lyon Fünfter im Marathon und gewinnt Silber mit der Mannschaft

 

                           Über den eigenen Erwartungen

Lyon-Stuhr. Gestern Vormittag befand sich Oliver Sebrantke schon wieder auf dem Absprung. Vom französischen Lyon wollte das Marathon-Ass des LC Hansa Stuhr nach Athen fliegen, um von dort aus zur nordgriechischen Insel Limnos zu reisen. Seine Cousine heirate, er sei eingeladen und wolle dort die kommenden beiden Wochen verbringen. Oliver Sebrantke verbindet viel mit dem Land, was wenig verwundert, schließlich ist seine Mutter Griechin. Aber es gab noch einen anderen Grund, weshalb der 39-Jährige seinen Urlaub ganz entspannt und innerlich zufrieden antreten konnte, und der hatte wiederum mit seinem sportlichen Können zu tun: Oliver Sebrantke hatte kurz zuvor seine Teilnahme an der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Senioren in Lyon mit dem fünften Platz im Marathon gekrönt. Darüber hinaus gewann er an der Seite von Marco Schwab und Jens Wittig die Silbermedaille in der Mannschaftswertung.

Für Sebrantke war es die letzte Gelegenheit in der Altersklasse 35 international etwas zu reißen – bei der kommenden WM im November 2016 im australischen Perth startet er bereits in der AK40. Und diese Chance nutzte der Stuhrer auf vorbildliche Weise. Nichts konnte ihn stoppen, nicht einmal seine latenten Oberschenkelprobleme, die immer wieder auftreten und Schmerzen verursachen. Auch in Lyon, „aber daran gewöhnt man sich mit der Zeit“, entgegnete Sebrantke lapidar. Den fünften Rang in der Einzelwertung der AK35 nahm er gerne zur Kenntnis. Er freute sich über die Platzierung, aber nicht uneingeschränkt. Dass er die eigenen Erwartungen sogar toppte, sollte deshalb nicht unerwähnt bleiben. „Als ich zum ersten Mal die Teilnehmerliste sah, nahm ich mir einen Platz unter den besten Zehn vor“, so der 39-Jährige. Die Konkurrenz sei immens gewesen, „aber dafür befinden wir uns eben bei einer Weltmeisterschaft.“

Die Strecke bestach zudem durch allerlei knifflige Hürden, angefangen von den zwölf Wendepunkten, „wo man immer fast auf null abstoppen musste“, bis hin zu den zahlreichen Hügeln und kleinen Bergen, die auf die Läufer warteten. Die galt es nicht ein, sondern gleich vier Mal zu bewältigen, weil der Kurs aus vier Runden à zehn Kilometern bestand. Oliver Sebrantke erlebte diese Herausforderungen auf seine eigene Weise. „Beim ersten Mal stellt so ein kleiner Berg kein Problem dar“, erzählte er, „aber beim dritten und vierten Mal tut’s ganz schön weh.“ Man habe sich überwinden müssen. Oliver Sebrantke überwand sich. So gut, dass er fast bis zum Ende an einem Treppchenplatz kratzte. Bronze war greifbar und entglitt dem Stuhrer erst auf den letzten Metern. Genau das ärgerte ihn am Ende auch ein wenig, trotz seiner formidablen Endzeit von 2:35:17 Stunden. Oliver Sebrantke schilderte die finale Phase aus seiner Sicht: „Ich lag auf dem Bronzerang und etwa 100 Meter hinter mir lauerten drei Spanier.“ So weit, so gut. Das Problem sei nur gewesen, dass sich die drei Konkurrenten zusammentaten und „gemeinsame Sache machten, was aus ihrer Sicht ja auch zu verstehen war“, während Sebrantke weiter den Einzelkämpfer geben musste. Folge: Zwei Spanier zogen noch an ihm vorbei, der Traum vom Edelmetall war geplatzt.

Der erfüllte sich aber mit dem deutschen Team. Spanien war zwar nicht zu überwinden, gewann auch für Sebrantke völlig zurecht Gold, doch der Abstand zum Dritten Frankreich war angesichts von einem Gesamtvorsprung von gut fünf Minuten komfortabel genug. Bei den Deutschen kamen 8:10:13 Stunden zusammen, bei den Franzosen 8:15:56 Stunden. Zum Vergleich: Spanien blieb mit 7:47:51 deutlich unter der Acht-Stunden-Marke. Sebrantke war sehr zufrieden, obwohl man als Titelverteidiger angereist war. 2013 bei der letzten Senioren-WM in Porto Alegre/Brasilien war Deutschland auf Rang eins gelandet.

Nun, auf dem Flughafen von Lyon, eine Stunde vor seinem Abflug nach Athen, konnte Sebrantke locker und gelöst auf die vergangenen Tage blicken. Er wirkte wie einer, der das Erlebte in guter Erinnerung behalten wird. Die Schmerzen, die er normalerweise am Tag nach einem Marathon verspüre, seien diesmal komischerweise ausgeblieben, so ein verblüffter Stuhrer. „Ich kann fast schon wieder normal gehen“, sagte er und lachte, „eigentlich müsste ich mich jetzt wie ein Roboter bewegen.“ Vielleicht wirkten auch die günstigen klimatischen Bedingungen beim Lauf nach. „Südfrankreich im August – da muss man eigentlich von großer Hitze ausgehen“, so Sebrantke. Doch, weit gefehlt. Der Start erfolgte bereits um 7 Uhr morgens, „und gegen 9.30 Uhr war ich im Ziel.“ Gefühlte 20 Grad seien es gewesen, „und das war durchaus angenehm.“

Der positive Blick zurück erlaubte auch einen Blick nach vorn. 49 Marathon-Läufe habe er bislang bestritten, so Sebrantke, und der 50. warte bereits. Wenn alles glatt verläuft, könnte der Stuhrer sein persönliches Jubiläum just in Bremen feiern, in der Heimat. Hier feierte er bereits vier Siege, „und in Bremen bei meinem 50. Marathon den fünften Sieg zu holen, wäre schon eine tolle Sache.“ Keine Frage: Oliver Sebrantke läuft weiter. Auch jetzt in Griechenland wird er das tun. Immer vor dem Frühstück von 6 bis 7.30 Uhr. Das habe er sich fest vorgenommen. Und es besteht kein Zweifel an der prompten Umsetzung.

Quelle: Weser-Kurier /Regionale Rundschau vom 19.08.2015 (Jens Hoffmann)

 

 


Marathon


Platz AK Name Vorname AK Zeit
5
Sebrantke Oliver M 35 02:35:17






Marathon Mannschaft

2 Deutschland (Schwab. Sebrantke, Wittig)







Ergebnisse


 

Zurück

Sponsoren

















Inhaltsaufrufe: 4189107
Tri-Wölfe - die Triathlonabteilung des LC Hansa Stuhr